Warum der Film so heißt? Die Frage müsste eher lauten: Warum nicht? Schaut euch doch mal die Frisur an! Aber zugegebenermaßen hatte der Film ursprünglich einen anderen Titel. Und er hatte sogar einen bestimmten Zweck.

Eine kurze (Entstehungs-)Geschichte

In der Urfassung war ‚The Hairdo‘ als Beitrag für einen internationalen Filmwettbewerb gedacht. Die Aufgabe bestand darin, in maximal 60 Sekunden zu zeigen, was ‚Home‘ – der ursprüngliche Titel des Films – für uns bedeutet. Meine Idee dazu war simpel (oder auch nicht) und genial (geht so): Ich wollte zeigen, dass ein authentischer Blick auf das, was Menschen als ihr Zuhause bezeichnen, kaum möglich ist.

Denn sobald die Tür geöffnet wird zeigt sich meistens erstmal ein aufgesetztes Lächeln, vielleicht auch eine extra herausgeputzte Wohnung oder eine perfekt zufällig arrangierte Auswahl der coolsten Zeitschriften, die es am Kiosk nebenan zu kaufen gibt. Was ‚Zuhause‘ für die Gastgeber aber eigentlich heißt, wie tatsächlich gelebt wird und wie dieser intime Rückzugsort aussieht, bleibt dem Blick von Außenstehenden meist verborgen. So weit die Idee.

Beim Schreiben des Drehbuchs dachte ich an Yin und Yang, ich dachte an Freud und an Nachbar Müller, es war alles schwer intellektuell. Ich schusterte eine humoristische Kurzgeschichte zusammen (Achtung, Spoiler!), in der eine Schauspielerin in zwei verschiedenen Rollen den Zuschauer in ihrer Wohnung begrüßt – oder es zumindest versucht. Mit einem feinen, kleinen Team wurde der Dreh des Films in einer Nacht-und-Nebel-Aktion umgesetzt und nebenbei mein Schlafzimmer komplett neu möbliert.

Nach dem Schnitt gefiel mir ‚Home‘ zunächst sehr gut. Ich reichte ihn beim Wettbewerb ein, wo er sich allerdings nach ein paar Runden der exzellenten Konkurrenz geschlagen geben musste. Kein Beinbruch. Später wurde mir jedoch – nicht zuletzt durch das Feedback von Zuschauern – klar, dass der Film für die begrenzte Länge von 50 Sekunden vielleicht doch ein wenig zu überladen und schwer zugänglich war. Ich entschied mich dazu, den George Lucas zu machen und den Film nach der Veröffentlichung einfach noch einmal anders zu schneiden.

Neuschnitt per Fernsteuerung aus London

Da ich gerade nach London umgezogen war und vergessen hatte, Schnittcomputer, Monitore und Filmmaterial einzupacken, tastete ich mich an eine neue Art des Videoschnitts heran: Fernsteuerung per Internet. Anhand des Programms Anydesk griff ich mit meinem altersschwachen Laptop auf den Standcomputer in Deutschland zu und dirigierte die Schnittsoftware bequem von meiner Couch in Nord-London aus. Das hat erstaunlich gut funktioniert.

Einige kleine Anpassungen später war aus dem ursprünglichen ‚Home‘ ein sozusagen völlig neuer Film namens ‚The Hairdo‘ geworden. Die ursprüngliche Message ist dabei prinzipiell erhalten geblieben. Gleichzeitig wird nun jedoch recht deutlich darauf hingewiesen, dass ein überladenes Drehbuch manchmal unfreiwillig komisch sein kann. Eine runde Sache!

In unbeobachteten Momenten frage ich mich manchmal, ob es ‚The Hairdo‘ vielleicht noch eine Runde weiter im Filmwettbewerb geschafft hätte. Wenn mich jemand danach fragt, antworte ich aber natürlich, dass mir das völlig egal ist. Ist doch klar!

  • Schauspielerin: Sophie Isabelle-Voigt
  • Regie / Kamera / Postproduktion: Jakob Kienzerle
  • Regieassistenz: Annelie Kegel & Ariane Wolf
  • Eigenproduktion, 2015/2016

 

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